Neubau des Rathauses in Bergen

21. Januar 2014

Das Rathaus in Bergen wurde am alten Standort nach einer Standortanalyse neu errichtet und am 23.11.2013 nach einer Bauzeit von 16 Monaten feierlich eingeweiht. 

Mehr Platz, Licht und Übersicht zeichnen das neue Gebäude aus und zeigen Offenheit, Transparenz und Bürgernähe.

Die Notwendigkeit des Neubaus ergab sich vor allem durch die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde. In der Zeit vor Planung und Bau des alten Rathauses, hatte Bergen ca. 2.200 Einwohner. Nach Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Bergen/Vachendorf im Jahr 1978 werden mittlerweile ca. 6.700 Bürgerinnen und Bürger im neuen Rathaus verwaltet. Auch der energetische Zustand des Gebäudes entsprach in keinster Weise mehr den heutigen Anforderungen.

Das Ingenieurbüro Haumman & Fuchs hat im Plangutachtenwettbewerb einen im Gesamtkonzept schlüssigen Entwurf vorgelegt, der einen beachtenswerten architektonischen Akzent aus Tradition und Moderne setzt. Neben dem Auftrag der Gebäudeplanung erhielt das Ingenieurbüro Haumann & Fuchs auch die Aufträge für die Tragwerksplanung, den Nachweis des vorbeugenden Brandschutzes und des Wärmeschutzes.

Mit den weiteren Ingenieurbüros wurde das Projekt räumlich und energetisch vorbildlich geplant und mit den beauftragten Handwerksbetrieben zügig und unfallfrei vollendet.

 

Architektur und Raumgestaltung
Bereits in der Wettbewerbsphase kristallisierten sich vier Leitmotive heraus.

            Eisen
            In Bezug zur Maxhütte als Industriedenkmal

            Stein
            Der Hochfelln als das natürliche Wahrzeichen Bergens

            Wasser
            Im Hochfellngebiet entspringt die Weißache

            Blumen
            Natürliche Blumenwiesen, das Bergener Moos

Die Leitlinien wurden in den Entwurf des neuen Bürgerhauses unaufdringlich und als Begleiter des Ganzen aufgenommen. Jede der vier Stelen am Haupteingang steht für ein Leitmotiv und wurde entsprechend gestaltet. Das Wasser fließt über die nördlichste Stele herab. Das Eisen findet sich in der südlichen Stele als Symbol eines erstarrten Metallblockes wieder und taucht außerdem in Form des Vordaches, bei der Unterkonstruktion des Sitzungsaales sowie den Brüstungsgeländern auf. Der Stein wurde neben der Rathausstele auch in den konischen Außenstützen, die in ihrer Form ebenfalls an die Maxhütte erinnern. Die jährlich neu gestaltete „Blumenstele“ übersetzt das Leitmotiv Blumen und wird ergänzt durch Blumenkästen über dem Eingang und am Balkongeländer.

Über die vier ortsbezogenen Motive hinaus sollten in Architektur und Raumbildung des Rathauses weitere übergeordnete Leitlinien wie „Bodenständigkeit, Tradition und Moderne, Demokratie, Bürgerbeteiligung und Transparenz umgesetzt werden.

Die Form des Gebäudes lehnt sich an die ortstypischen Stilmittel an. Die Architektur vereint Tradition mit Moderne. Altbekanntes wird dabei neu interpretiert. Die konisch geformten Gebäudepfeiler erinnern an die traditionelle alpenländische Architektur. Die gemauerten Außenwände, der Außenputz, der zimmermannsmäßige Dachstuhl sind bewusst Teil der Architektur und symbolisieren ebenfalls den traditionellen Bezug. Die Baumaterialen orientieren sich an den Leitlinien und durchziehen das Gebäude wie ein roter Faden. Die Auswahl regionaler Baustoffe erfolgte bewusst auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Insgesamt entsteht so im gesamten Rathaus eine offene, mitarbeiterfreundliche und bürgernahe Atmosphäre.

 

Tragwerk und Bauphysik
Bei der Tragwerksplanung wurde auf eine Flexibilität in der späteren Nutzung gedacht. Die Decken sind als sogenannte punktgestütze Flachdecken konzipiert, die in den Bürozonen Änderungen in der Raumaufteilung ohne Eingriff in das Tragsystem zulassen. Die unterzugfreie Ausführung ermöglicht zudem – sofern erforderlich- die Nachrüstung von Leitungen von Fluren zu Büroräumen ohne Kernbohrungen. Sollte die für die Archivierung großzügig bemessenen Räume doch eines Tages nicht ausreichen, ist eine Nutzung des Dachraumes mit entsprechenden Lasten und möglicher Treppenöffnung im Süden bereits vorgedacht. Die statisch erforderlichen Deckenstärken erfüllen gleichermaßen die Schallschutzanforderungen.

Das Außenmauerwerk besteht aus 42,5 cm starken porosierten Ziegeln mit Mineraldämmung in den Kammern. Zusammen mit den 3-fach verglasten Fenstern sowie gedämmten Dach- und Kellerbauten wurde der zum Zeitpunkt der Baueingabe gültige Energieeinsparverordnung entsprochen und außerdem eine raumklimatisch günstige, diffusionsoffene Bauweise verwirklicht.

Dass nicht unbedingt ein vorauseilender Gehorsam zu noch strengeren Grenzwerten erforderlich ist – Stichwort Passivhaus-, zeigen die Energie-Verbrauchwerte in den ersten Wochen der Nutzung, die unter Einbeziehung der Photovoltaik-Anlage den Bedarf eines Einfamilienhauses bei Weitem unterschreiten.

Der gesamte Planungsprozess erfolgte unter der Prämisse „mit Augenmaß“. Dies bezieht sich sowohl auf die Flächenverteilung, das heißt mehr Platzangebot für die Mitarbeiter, weniger für repräsentative Zwecke und Verkehrsflächen sowie die ausgewählten Materialen

98% der Bau- und Planungsaufträge konnten im Landkreis Traunstein (82%) und den angrenzenden Landkreisen (16%) vergeben werden und trugen so zur wirtschaftlichen Stärkung der Region bei.